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Die Wechselwirkungen von Neurodermitis und Psyche
Auch wenn es auf den ersten Blick „nur“ die Haut sein mag, die betroffen ist, spielt bei Neurodermitis die Psyche doch eine maßgebliche Rolle. So kommt es nicht selten vor, dass sich Neurodermitis und Psyche gegenseitig bedingen. Im Folgenden erfährst du, was das Wechselspiel verstärkt, ob Stress Neurodermitis auslösen kann und welche psychosozialen Faktoren zur Entwicklung einer Neurodermitis führen können.
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Hat Neurodermitis Einfluss auf die Psyche?
Vereinfacht ausgedrückt ist unsere Haut eine starke Schutzbarriere gegen äußere Einflüsse jeglicher Art. Wenn das sensible Organ nun aber aus dem Gleichgewicht ist, können Fremdstoffe wie Krankheitserreger leichter eindringen.
Das ist auch bei Neurodermitis der Fall, in der medizinischen Fachsprache auch als atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem bekannt. Das Bild der Haut als Schutz für den Körper lässt sich metaphorisch bei Neurodermitis auf die Psyche übertragen. Denn durch die äußerliche Veränderung der Haut fühlen sich Betroffene häufig unwohl. Von außen begegnet ihnen mitunter außerdem Ablehnung und Stigmatisierung.1
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Was haben Neurodermitis und die Psyche miteinander zu tun?
Auch wenn die Erkrankung in vielen Fällen auf erblich bedingte Ursachen (genetische Disposition) zurückzuführen ist, sind heute die sogenannten Umweltfaktoren als Auslöser für Schübe ebenfalls gut erforscht.2 Das können sein:
- Klima
- Allergien
- Nahrungsmittel
- Immunsystem
Vielleicht hast du bereits einige dieser Faktoren in Zusammenhang mit einem Schub bei dir selbst beobachten können.
Darüber hinaus wird aber immer deutlicher, dass sich auch (psycho-)soziale Faktoren wie soziale Benachteiligung oder Stress negativ auf Neurodermitis-Beschwerden auswirken.2 Neurodermitis und die Psyche hängen also bei vielen Patient:innen eng miteinander zusammen.
Beeinflusst Neurodermitis die Psyche bis hin zur Wesensveränderung?
Die aus Neurodermitis resultierende schmerzhafte, juckende Veränderung der Haut stört zum einen das eigene emotionale Wohlbefinden, zum anderen aber reagiert aufgrund des veränderten Aussehens der Haut häufig auch das soziale Umfeld negativ.
Dann wird die Haut plötzlich zum „Spiegel der Seele“ und ist Auslöser für innere sowie äußere Konflikte, bis hin zu Verhaltensstörungen, Schwierigkeiten mit dem Ausdruck von Gefühlen oder Bindungsstörungen.2 Die natürliche Schutzfunktion unserer Haut erfüllt also nicht mehr ihren Zweck, sondern entwickelt sich ins Gegenteil: eine Angriffs- und Projektionsfläche.

Kann Neurodermitis auch psychisch bedingt sein?
Ja, die Beziehung zwischen Neurodermitis und Psyche besteht auch in die andere Richtung. Die Auslöser der Erkrankung, die nicht ansteckend ist, aber chronisch verläuft, sind wie erwähnt vielfältig. Fest steht aber: Neben verschiedenen verursachenden Faktoren wie etwa der Gene spielt bei Neurodermitis die Psyche eben auch eine nicht zu unterschätzende Rolle.1
Es kann also durchaus vorkommen, dass Neurodermitis-Schübe psychosomatisch bedingt auftreten – in der Entwicklung und auch im weiteren Verlauf der Erkrankung.3 Anzeichen, dass du auf das Wohlergehen deiner Psyche achten solltest, können sein:
- hohes Stresserleben
- belastende Emotionen
- länger andauernde Konflikte mit Familie oder Freund:innen
Es ist also besonders als Neurodermitis-Patient:in wichtig, zu hohem psychischen Druck zuvorzukommen, um Schlimmeres zu vermeiden.1
Wie wirkt sich die Psyche dann auf die Haut aus?
Kann Stress Neurodermitis verschlimmern?
Gut zu wissen:
Betroffen sind übrigens sehr häufig bereits die Kleinsten unter uns: Kinder reagieren von Haus aus stark auf die Erkrankung. Zusätzliche Veränderungen und Konflikte innerhalb der Familie strengen sie häufig sehr an, die Folge ist eine Zunahme der Symptome und die Neurodermitis kann psychosomatisch werden.7
- Neurodermitis bei Kindern
Welche psychosozialen Faktoren können Neurodermitis beeinflussen?
Stress kann nicht nur Schübe, sondern die gesamte Erkrankung auslösen. Darüber hinaus stehen aber auch die ästhetischen Aspekte der Erkrankung, also die Veränderung der Haut, im Fokus. Gerade im Wechselspiel mit gesellschaftlichen Normen und dem allgemeinen Verständnis von Schönheit bewirken sie häufig schon früh Ausgrenzung, Stigmatisierung und konflikthafte Beziehungen. Diese Erlebnisse wiederum können die Erkrankung geradezu befeuern.2
Neurodermitis und Psyche spielen also vor allem auch im Zusammenleben mit anderen Menschen eine Rolle. Sichtbare Ekzeme und Hautveränderungen können Scham auslösen und zu sozialer Isolation sowie vermindertem Selbstwertgefühl führen. Folgen können etwa eingeschränkte Lebensqualität oder auch die Ablehnung von Therapieempfehlungen sein.7 Im schlimmsten Fall führen die psychischen Belastungen durch die Neurodermitis bis hin zu Depressionen.
Eine wahre Belastungsprobe
Bei Neurodermitis besteht also eine vielseitige und enorme (psychische) Belastung für alle Betroffenen – durch die Krankheit selbst, vor allem den Juckreiz, aber auch durch die Stigmatisierung. Die Erkrankung belastet die Patient:innen, ihre Partner:innen sowie Familien und beeinträchtigt viele Aspekte des Lebens, etwa:1
- Schlaf
- Leistungsfähigkeit
- soziale Teilhabe
- Selbstwertgefühl
- seelisches Wohlbefinden
- psychische Beeinträchtigungen bis hin zu Ängsten und Depression
Doch es gibt durchaus Aussicht auf Linderung.
Neurodermitis und psychische Belastung: Strategien zur Bewältigung
Eine Behandlung von Neurodermitis bedarf einer ganzheitlichen Betrachtung – sowohl der physischen als auch der psychischen Aspekte. So kann die Basistherapie, also äußerlich anwendbare Therapeutika wie Cremes, für Neurodermitis beispielsweise die körperlichen Symptome lindern. Das ist ein erster Schritt, um auch die psychischen Aspekte der Erkrankung zu verbessern. Darüber hinaus gibt es einige hilfreiche Methoden, die du im Folgenden findest.
- Zur-Basistherapie
Entspannung bei Neurodermitis und psychischer Belastung
Um bei Neurodermitis die psychische Belastung zu verringern, ist es wichtig, sich um das eigene innere Gleichgewicht zu kümmern. Ratsame Maßnahmen können sein:
- progressive Muskelentspannung nach Jacobson: Durch gezieltes An- und Entspannen von Muskelgruppen hilft diese Technik, Verspannungen und Stress abzubauen. Das kann sowohl Juckreiz reduzieren als auch insgesamt beruhigend wirken.
Anleitung: Setze oder lege dich bequem hin und spanne gezielt verschiedene Muskelgruppen für etwa 5 bis 10 Sekunden an (zum Beispiel Hände zu Fäusten ballen). Dann langsam wieder entspannen und das Gefühl des Loslassens spüren. Arbeite dich systematisch durch den Körper, von den Zehen bis zum Kopf.
- Achtsamkeit und Meditation: Achtsamkeitsübungen helfen dabei, den Fokus auf den Moment zu lenken und belastende Gedankenmuster zu durchbrechen. Regelmäßige Meditationspraxis kann helfen, Stress abzubauen und den Umgang mit der Hauterkrankung langfristig zu erleichtern.
Empfehlung: Beginne mit einer einfachen Atemmeditation. Setze oder lege dich bequem hin und richte deine Aufmerksamkeit nur auf deinen Atem – spüre, wie er ein- und ausströmt. Falls der Juckreiz auftaucht, versuche ihn wahrzunehmen, ohne darauf zu reagieren. Diese Methode hilft langfristig, Reaktionen auf Reize bewusster zu steuern.
- kreative Beschäftigungen: Kreativität kann ablenkend und befreiend wirken, weil sie den Fokus weg von der Krankheit und hin zu etwas Positivem lenkt. Aktivitäten wie Zeichnen, Schreiben, Malen oder Musizieren helfen vielen Menschen, ihre Emotionen auszudrücken.
Tipp: Nimm dir kleine kreative Projekte vor, die leicht umzusetzen sind und keinen Perfektionsdruck erzeugen. Auch Journaling sowie Tagebuchschreiben können beim Verarbeiten der Emotionen helfen.
- entspannende Hautpflegeroutinen: Hautpflege kann zu einem entspannenden Ritual werden, das sowohl der Haut als auch der Psyche gut tut. Ein tägliches Pflegeritual mit beruhigenden Cremes oder Ölen kann dazu beitragen, dass sich die Haut besser anfühlt, indem du sie bewusst pflegst und dir Zeit für dich nimmst.
Empfehlung: Verbinde die Pflege mit einer Selbstmassage, zum Beispiel an den Händen oder im Gesicht, um Entspannung zu fördern.
- regelmäßige Bewegung und Sport: Körperliche Betätigung setzt Endorphine (natürliche Glückshormone) frei und hilft, Stress abzubauen. Wähle sanfte Bewegungsarten wie Yoga, Tai Chi oder Spazierengehen – diese schonen die Haut und sind besonders bei entzündlichen Erkrankungen hilfreich.
Tipp: Beim Sport atmest du oft tiefer, was sich ebenfalls entspannend auswirkt. Yoga-Kurse für Anfänger bieten oft zusätzlich meditative Elemente, die eine weitere Stressreduktion unterstützen können.
- positive Umgebung: Rückzugsorte sind wichtig, um Stress zu mindern und Kraft zu schöpfen. Gestalte deine Umgebung so, dass sie dir Wohlbefinden und Beruhigung bringt. Das kann ein bestimmter Raum oder einfach eine kleine Ecke mit Dingen sein, die dir gut tun (etwa Lieblingsbücher, gemütliche Kissen und Decken).
Empfehlung: Nutze gegebenenfalls beruhigende Farben, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.
Es können manchmal aber auch simple Maßnahmen sein, die entlasten – wie eine Tasse Tee trinken oder ein Buch lesen. Solche Kleinigkeiten kannst du ruhig täglich einplanen – übrigens auch unabhängig von einer chronischen Erkrankung.
Psychotherapie zur Besserung von Aspekten der Neurodermitis wie Depression
Wenn notwendig, hole dir auf jeden Fall professionelle Hilfe von außen. Das gilt vor allem dann, wenn die Neurodermitis eine Depression ausgelöst hat oder droht, diese oder eine vergleichbare psychische Erkrankung zu bedingen. Besonders hilfreich kann die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) sein, die darauf abzielt, negative Denkmuster zu erkennen und zu verändern.
Durch Selbsthilfe und Alltagsmanagement Neurodermitis und die Psyche beruhigen
Insbesondere der Austausch mit anderen Betroffenen kann hilfreich bei einer Neurodermitis-Erkrankung sein. In Selbsthilfegruppen hast du die Möglichkeit, weitere Erfahrungen kennenzulernen, Tipps auszutauschen und Unterstützung durch andere Betroffene zu finden. Eine Liste mit Selbsthilfegruppen entdeckst du unter anderem bei der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e. V.
Die genaue Beobachtung deiner Symptome ist ebenfalls hilfreich, um herauszufinden, was deine persönlichen Trigger sind. Wenn du magst, halte sie doch gleich in unserem Juckreiz–Tagebuch fest. Die Dokumentation dient dem Kennenlernen deines Hautzustandes und ermöglicht es dir, Ursachen zu entdecken, um die Behandlung zu verbessern. Du findest das Tagebuch auf Seite 26 unseres Neurodermitis-Ratgebers:
- Ratgeber herunterladen
Psychoedukation für Patient:innen und ihre Familien
Wo tritt Neurodermitis auf?
Neurodermitis kann sich an verschiedenen Körperstellen zeigen, wobei einige Bereiche besonders anfällig sind. Informiere dich hier dazu!
- Zu den Stellen
Deutlich sichtbar
Treten bei Neurodermitis Ekzeme im Gesicht auf, ist das für Betroffene körperlich und seelisch besonders belastend. Tipps findest du hier!
- Neurodermitis im Gesicht
Was tun gegen Neurodermitis?
Je nach Stadium und Schweregrad der Erkrankung kommen bei Neurodermitis verschiedene Möglichkeiten der Behandlung infrage. Hier gibt’s den Überblick!
- Zur Behandlung
- 1 „S3-Leitlinie ‚Atopische Dermatitis‘ (AWMF-Registernr. 013-027) (2023)“. Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V., Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V., https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-027l_S3_Atopische-Dermatitis-AD-Neurodermitis-atopisches-Ekzem_2023-07.pdf. Zugegriffen 24. Mai 2024.
- 2 Luschkova, D., u. a. „Neurodermitis Ist Eine Umwelterkrankung“. Allergologie, Bd. 44, Nr. 09, 2021, S. 681–688, https://doi.org/10.5414/alx02258
- 3 „Auslöser“. Daab.de, https://www.daab.de/hautwelt/neurodermitis/ausloeser. Zugegriffen 26. August 2024.
- 4 „Neurodermitis: Welchen Einfluss hat Stress?“ Daab.de, https://www.daab.de/blog/2020/08/neurodermitis-welchen-einfluss-hat-stress. Zugegriffen 26. August 2024.
- 5 „Definition“. neurodermitis.dermis.net, http://neurodermitis.dermis.net/content/e284/e285/e286/index_ger.html. Zugegriffen 26. August 2024.
- 6 „Ursachen“. neurodermitis.dermis.net, http://neurodermitis.dermis.net/content/e284/e285/e313/index_ger.html.
- 7 „Psychische Aspekte“. neurodermitis.dermis.net, http://neurodermitis.dermis.net/content/e295/e918/e920/index_ger.html. Zugegriffen 26. August 2024.