Neurodermitis erkennen – alles Wichtige zur Diagnose

Die Diagnose von Neurodermitis ist der erste Schritt auf dem Weg zur wirksamen Behandlung dieser chronischen Hauterkrankung. Doch wie kannst Du Neurodermitis erkennen? Im Folgenden erfährst Du, wie Ärzt:innen bei der Diagnostik vorgehen und wodurch sich Neurodermitis von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wie Allergien oder Schuppenflechte unterscheidet!

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Ärztin begutachtet Haut einer Patientin, um zu prüfen, ob sie Neurodermitis-Anzeichen erkennen kann.

Diagnose: Welche Untersuchungen führt der/die Ärzt:in durch?

Wenn Du vermutest, dass Du an Neurodermitis leidest, ist es wichtig, eine:n auf Hauterkrankungen spezialisierte:n Ärzt:in aufzusuchen. Dies kann ein:e Dermatolog:in oder ein:e Allergolog:in sein. Die Diagnose von Neurodermitis erfolgt in der Regel durch eine Anamnese (Erfragung der Krankengeschichte eines/einer Patient:in) und gründliche Untersuchung.

Erstdiagnose und typische Kriterien

Die Erstdiagnose von Neurodermitis ist vergleichsweise einfach. Zunächst wird der/die Ärzt:in eine gründliche Anamnese durchführen.1 Dabei wirst Du ausführlich nach Deinen Beschwerden sowie nach atopischen Erkrankungen in Deiner Familie (wie Pollenallergie oder Asthma) befragt. Die Anamnese liefert wichtige Informationen für die Diagnose und ermöglicht es, ein umfassendes Bild Deiner Situation zu erhalten.

Anschließend erfolgt eine eingehende körperliche Untersuchung, um die typischen Anzeichen von Neurodermitis zu erkennen und andere Hauterkrankungen auszuschließen. Dabei wird vor allem auf charakteristische Merkmale geachtet, wie die Verteilung der Ekzeme auf bestimmten Körperstellen, die je nach Alter variieren können:2

  • Bei Kleinkindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Haut oft verdickt, rissig und sehr trocken.
  • Ältere Erwachsene können hingegen kleine Knötchen aufweisen – Fachleute bezeichnen das als Prurigo-Form der Neurodermitis.

Ein weiteres Anzeichen ist, dass die Haut nach dem Kratzen weiß wird, im Gegensatz dazu rötet sich gesunde Haut beim Kratzen.2

Wie lässt sich Neurodermitis noch erkennen?

Um bei Verdacht auf eine Allergie die Diagnose zu bestätigen und mögliche Allergene als Auslöser oder Verstärker der Neurodermitis zu identifizieren, kommen verschiedene Tests infrage:1,2

  • Pricktest: Dieser Test wird durchgeführt, um festzustellen, ob sich deine Neurodermitis möglicherweise durch Allergene aus der Luft oder Nahrungsmitteln verschlechtert. Dabei wird eine geringe Menge einer Allergenlösung auf Deine Haut aufgetragen und diese anschließend oberflächlich angeritzt. Nach 15 bis 20 Minuten liegt das Testergebnis vor: Wenn deine Haut anschwillt oder sich rötet, weist das auf eine Sensibilisierung gegenüber den getesteten Allergenen hin.
  • Labortest: Durch die Bestimmung von Immunglobulin E (IgE)-Antikörpern im Blutserum lässt sich feststellen, ob die Anzahl gegen bestimmte Allergene erhöht ist.
  • Atopie-Patch-Test: Er gibt Hinweise darauf, welche Allergene eine bestehende Neurodermitis verschlimmern können. Dabei wird ein Pflaster mit in Vaseline gelösten Allergenen auf deine ekzemfreie Haut (meist am Rücken) aufgebracht. Eine ekzemartige Reaktion nach 48 bis 72 Stunden deutet auf das verantwortliche Allergen hin.
  • Provokations- oder Belastungstest: Dieser Test wird durchgeführt, um ein mutmaßliches Allergen zu identifizieren. Du bekommst steigende Mengen eines Allergens verabreicht – entweder durch Essen, Einatmen oder Auftragen auf Nasenschleimhaut oder Augen. Ein Abgleich etwaiger Krankheitszeichen mit den Ergebnissen anderer Tests ermöglicht ein relativ sicheres Identifizieren des Allergens.

Wichtig: Für eine abschließende Klärung Deiner Neurodermitis-Beschwerden ist immer eine ärztliche Diagnostik erforderlich. Nur so kann eine individuell auf dich zugeschnittene Behandlung erfolgen.

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Diagnose-Kriterien: Welche Symptome weisen auf Neurodermitis hin?

Für die Diagnostik der Neurodermitis liegen bestimmte Kriterien vor, die im Jahr 1980 von US-amerikanischen und norwegischen Wissenschaftlern veröffentlicht wurden.3,4 Diese können helfen, die Erkrankung zu identifizieren. Um die Diagnose Neurodermitis stellen zu können, müssen 3 oder mehr der folgenden Basiskriterien erfüllt sein:
  • Pruritus (Juckreiz)
  • typische Morphologie und Verteilung (Hautveränderungen an typischen Hautstellen)
  • chronische oder wiederkehrende Dermatitis (Entzündung der Haut)
  • Eigen- oder Familienanamnese von Atopie (Fälle von Asthma, allergischem Schnupfen oder Neurodermitis in der Familie)
Zusätzlich zu den Basiskriterien müssen auch 3 oder mehr der folgenden Nebenkriterien vorliegen:
  • Xerosis (trockene Haut)
  • Ichthyose (Fischschuppen-Krankheit), palmare Hyperlinearität (ausgeprägtere Hautlinien an den Handflächen), Keratosis pilaris (Reibeisenhaut)
  • erhöhte Reaktion auf Hauttests
  • erhöhte IgE-Werte im Blutserum
  • Beginn in frühem Lebensalter
  • Neigung zu Hautinfektionen, abgeschwächte Immunreaktion auf bestimmte Erreger
  • Neigung zu unspezifischer Hand- und Fußdermatitis
  • Mamillenekzem (an den Brustwarzen)
  • Cheilitis (spröde Lippen)
  • wiederkehrende Bindehautentzündungen
  • Dennie-Morgan-Falte (Einfaltung der Haut unter dem unteren Augenlid)
  • Keratokonus (Erkrankung der Augenhornhaut)
  • anteriore subkapsuläre Katarakt (Form des grauen Stars)
  • orbitale Schatten (im Bereich der Augenhöhlen)
  • Gesichtsblässe oder -rötung
  • Pityriasis alba (spezifische Hautveränderung besonders­ im Gesicht)
  • vordere Halsfalten
  • Juckreiz beim Schwitzen
  • Unverträglichkeit gegen Wolle und Fettlösungsmittel
  • perifollikuläre Akzentuierung (spezifische Hautveränderung im Bereich der Haarfollikel)
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Verlauf wird durch Umwelt und emotionelle Faktoren beeinflusst
  • weißer Demografismus, verzögerte Weiß-Reaktion (verzögerte Reaktion der Haut auf Druck oder Reibung)

Gut zu wissen:

Die Kriterien der Diagnostik können zwar helfen, Neurodermitis zu erkennen, reichen jedoch nur in 78 Prozent aller Fälle aus, um Neurodermitis eindeutig zu identifizieren.1 Dennoch sind sie ein wichtiger Leitfaden bei der Diagnose.

Abgrenzung: Neurodermitis, Schuppenflechte, Allergie oder etwas ganz anderes?

Um Hauterkrankungen wie Neurodermitis eindeutig erkennen zu können, gilt es, sie von anderen ähnlichen Erkrankungen zu unterscheiden – wie etwa:1

  • allergisches Kontaktekzem: Eine Reaktion der Haut auf bestimmte Substanzen, mit denen sie in Kontakt kommt.
  • irritativ-toxisches Kontaktekzem: Eine Reaktion der Haut auf Reizstoffe.
  • mikrobielles Ekzem: Eine Infektion der Haut mit bestimmten Mikroorganismen.

Auch wenn sich die Symptome ähneln können, sind die zugrunde liegenden Ursachen oft unterschiedlich und auch die richtige Behandlung sieht dann anders aus.

Begleiterkrankungen bei Neurodermitis

Bei Neurodermitis treten oft Begleiterkrankungen auf, die zwar nicht direkt mit der Grunderkrankung zusammenhängen müssen, aber dennoch vorhanden sind. Das können beispielsweise andere atopische Erkrankungen wie allergisches Asthma, allergische Rhinokonjunktivitis (eine Form von allergischer Bindehautentzündung) oder IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien sein.1 Außerdem gibt es zunehmend mehr Belege dafür, dass ein Zusammenhang zwischen Neurodermitis und psychischen Problemen wie Schlafstörungen, Angst, Depression, Suizidgedanken und ADHS besteht.1 Daher ist bei Neurodermitis oftmals nicht nur dermatologische Hilfe wichtig, sondern auch psychotherapeutische Unterstützung. Betroffene sollten sich dringend an ihre:n Ärzt:in wenden, wenn sie spüren, dass sie der psychischen Belastung allein nicht mehr standhalten. Dermatolog:innen sollten stets die psychische Verfassung ihrer Patient:innen im Blick haben.

Abklärung: Ist es Neurodermitis oder eine Allergie?

Allergien können bei Neurodermitis eine Rolle spielen, sind jedoch nicht zwangsläufig die Ursache. Dennoch ist es wichtig, bei hinreichendem Verdacht auf Neurodermitis eine individuelle Allergie-Diagnostik durchzuführen, um potenzielle Triggerfaktoren wie Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben, Pilze oder Lebensmittel zu identifizieren. Das kann mit spezifischen Tests wie dem Pricktest und Blutuntersuchungen erfolgen.

Ein Pricktest kann helfen, allergische Auslöser einer Neurodermitis zu erkennen.

Neurodermitis oder Psoriasis: Was ist der Unterschied?

Neurodermitis und Psoriasis (oder Schuppenflechte) sind 2 verschiedene Hauterkrankungen mit unterschiedlichen Ursachen und Symptomen. Neurodermitis ist oft mit starkem Juckreiz und trockener Haut verbunden, während Psoriasis durch scharf begrenzte rote Hautläsionen gekennzeichnet ist, die häufig mit silbrig-weißen Schuppen (Plaques) bedeckt sind.

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